Zwischen Wirtshaus und Wortkunst

Ketzmusic und Goldener Snuser bringen niederbayerischen Rap aus dem Landkreis Passau auf die Bühne – laut, derb und mit viel Humor.

Wenn in Bayern der Bass scheppert und der Stammtisch im Takt mitwippt, dann haben meist zwei Herren ihre Finger im Spiel: Ketzmusic und Goldener Snuser. Das Rapper-Duo aus dem Landkreis Passau verbindet bayerische Leitkultur mit hartem Sprechgesang – provokativ, pointiert und raptechnisch präzise. Ihre Texte tragen die Derbheit des Wirtshauses in sich – und zugleich die Raffinesse moderner Rapkunst. Am 13. März stehen die beiden im Zauberberg Passau auf der Bühne – als Vorband von Los Brudalos. Im Interview sprechen sie über Dialekt-Rap, Heimat, Freundschaft und darüber, wie aus einer spontanen Schnapsidee ein ernstzunehmendes Musikprojekt wurde.

  

Anzeige

Jungs, falls euch jemand noch nicht kennt: Wie würdet ihr euren Sound in drei Worten beschreiben?

Ketzmusic: Hungrig, energiegeladen, mit einer mächtigen Portion Party!

 

Welchen eurer Songs sollte man zuerst hören – und warum?

Goldener Snuser: Als ersten Song würd‘ ich auf jeden Fall „Stodblotz” empfehlen. Der ist derb, hat ‘ne krasse Energie und es geht unter anderem um Bier – quasi alles, was uns ausmacht.

 

Vom Italiener ins Studio

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, zusammen Dialekt-Rap zu produzieren?

Goldener Snuser: Das Thema Dialekt-Rap war aber im wahrsten Sinne ‘ne Schnapsidee. Wir waren beim Italiener und haben nach ein paar Glaserl Wein bissl rumgeblödelt und uns im Dialekt lustige Wortspiele zugeworfen. Dann sind wir anschließend gleich ins Studio und haben den ersten Song in dem Stil aufgenommen. Es war die reinste Gaudi und im Freundeskreis kam der Song auch gleich ganz gut an.

Ketzmusic: Deshalb entstand dann die geniale Idee, Deutschlands südlichste „Fremdsprache“, das Bayerische, einmal wirklich ORDENTLICH im Musikmarkt zu etablieren.

 

Dass eure Songs stark vom Dialekt geprägt sind, kommt nicht von ungefähr. Ihr beide seid im Landkreis Passau aufgewachsen – einer Region, in der Sprache und Identität eng miteinander verbunden sind. Was bedeutet euch eure Herkunft künstlerisch?

Ketzmusic: Der Landkreis Passau ist nicht einfach nur Bayern, er ist Niederbayern, das tiefste Bayern. Eine Region, in der sich der Dialekt gefühlt alle halbe Stunde Autofahrt verändert. Durch die große Streckendistanz zwischen dem Bayerischen Wald, den Dörfern und den Ortschaften im Nordwesten des Landkreises, decken wir die lustigsten und markantesten Dialektphrasen aus dem gesamten Landkreis ab – einer Region, die auch noch direkt an unser geliebtes Österreich grenzt. Dadurch eröffnet sich uns eine Vielzahl an Phrasen und Traditionen, die wir kreativ in unsere Texte einfließen lassen können.

 

Zwetschgendatschi von der Oma

 

Welche Botschaft wollt ihr mit euren Songs transportieren – geht es mehr um Stimmung, Gesellschaftskritik, Humor oder Authentizität?

Ketzmusic: In erster Linie möchten wir die Freude am Leben und unsere bayerische Tradition vermitteln. Unserem Publikum zeigen wir, vielleicht manchmal ein bisschen übertrieben, wie es in Bayern zugehen kann. Stimmung und Humor sind dabei essenziell.

Goldener Snuser: Es ist aber auf jeden Fall irgendwo authentisch, weil jemand, der nicht mit Stammtisch, Bierzelt oder Zwetschgendatschi von der Oma aufgewachsen ist, sowas nicht machen könnte. Aber im Vordergrund geht es darum, im Studio ‘ne lustige Zeit zu haben und zu zeigen, was die Bayern raptechnisch so draufhaben – und dabei unsere Kultur zu glorifizieren.

 

Euch verbindet nicht nur Musik, sondern auch eine langjährige Freundschaft. Trennt ihr Freundschaft und Karriere?

Goldener Snuser: Nicht wirklich. Musik war im Grunde ja der Startschuss unserer Freundschaft und wir nehmen die Gaudi, die wir in der Freundschaft haben, auch mit in die Musik. Dadurch, dass wir mit der Musik ein Projekt haben, für das wir beide brennen und wir so an einem Strang ziehen, sind wir auch motiviert nun ein bisschen mehr professionelle Struktur einfließen zu lassen. Klar wird auch bei der Planung mal blöd dahergeredet, aber wir wissen beide relativ gut, wann wir uns zusammenreißen und auch mal Ernst an etwas arbeiten müssen. Und wenn’s einer grad nicht so ernst nimmt, holt einen der andere dann recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

 

Woraus zieht ihr eure Motivation?

Ketzmusic: Ich denke, wir pushen uns gegenseitig immer wieder mit neuer Motivation. Jeder sitzt auch mal allein in seinem Studio zu Hause und arbeitet an Songskizzen, aber der Austausch frischer Ideen beflügelt uns enorm.

Goldener Snuser: Am Anfang war das Ganze ja auch nur ein Spaßprojekt, da wusste man noch nicht so ganz, ob sich da überhaupt jemand außerhalb unseres Kreises dafür interessiert. Aber durch die vermehrten Live-Anfragen, den Support von Los Brudalos und die durchwegs positiven Reaktionen des Publikums ist jetzt auf jeden Fall eine riesige Motivation da. Wir feiern unsere Musik sowieso – aber es motiviert umso mehr, wenn andere das scheinbar genauso tun.

 

Zwischen Stammtisch und Provokation

 

Wer mit Dialekt, Stammtischhumor und bewusst überzeichneten Texten arbeitet, bewegt sich zwangsläufig auch nah an der Grenze zur Provokation. Gab es auch schon Gegenwind wegen eurer Texte?

Ketzmusic: Nicht wirklich. Natürlich sind manche Texte ein bisschen derb und hier und da bewusst übertrieben, aber am Ende ist es immer noch Kunst. Und ganz ehrlich, geht doch einmal in ein bayerisches Wirtshaus und hört euch dort die Gespräche an. Unsere Songs sind im Grunde eine augenzwinkernde Hommage an genau diese Konversationen, an hitzige Stammtisch-Debatten und an die kleinen wie großen Auseinandersetzungen des Alltags.

Goldener Snuser: Die Leute finden die krassen Texte meiner Einschätzung nach eher interessant. Ich glaube dem Publikum gefällt es, dass wir auch mal etwas gröbere Aussagen bringen und so reden „wie uns der Schnabel gewachsen ist“, und sind fasziniert von dem Lebensstil, den wir in den Songs glorifizieren.

 

Fühlt ihr euch im Studio oder auf der Bühne wohler?

Goldener Snuser: Am wohlsten eigentlich im Bierzelt, aber auf der Bühne lässt sich’s auch ganz gut aushalten.

Ketzmusic: Die eigene Energie und Kreativität einfach unmittelbar an ein Publikum weiterzugeben und das direkte Feedback in den Augen der Menschen zu sehen, das ist durch nichts zu ersetzen.

 

Was war bisher das Highlight eurer Karriere?

Goldener Snuser: Der Auftritt in der Alten Mälzerei in Regensburg vor ca. 400 Leuten war auf jeden Fall ein Highlight bisher. Da wir „nur“ Vorband waren kannten die meisten ja unsere Lieder gar nicht – aber da war trotzdem eine wahnsinnige Stimmung im Raum, das war wirklich surreal. Es ist unbeschreiblich für mich, dass wir mit unseren Songs etwas in den Leuten auslösen können.

 

Bunt, rau, unverwechselbar

 

Wer euch beide auf der Bühne sieht, erkennt euch sofort – nicht zuletzt wegen eurer auffälligen Markenzeichen, der bunten Jacke beziehungsweise der GS-Sturmhaube. Was bedeuten euch diese Outfits und warum sind genau diese eure Markenzeichen?

Ketzmusic: Ich war schon immer ein bunter Vogel. Auffällige, farbenfrohe Kleidung hat mich einfach schon immer begeistert. Die Jacke habe ich vor etlichen Jahren gekauft und seitdem falle ich damit auf. Ob positiv oder negativ, sei dahingestellt. Die Jacke steht für Vielfalt, Energie und einen gewissen Mut zur Farbe. Der sportliche Look gefällt mir extrem gut – so sehr, dass ich die Jacke mittlerweile zehnmal zu Hause im Wohnzimmer hängen habe.

Goldener Snuser: Die Sturmmaske steht für mich für etwas Grobes, für Rauheit. Und maskierte Künstler spielen in der Musikgeschichte schon immer eine Rolle, besonders im deutschsprachigen Rap. Die Maske spiegelt also den harten, energetischen Rap-Charakter meiner Musik und die Derbheit meiner Texte wider. Ganz im Gegensatz zu meinen harten Texten bildet die Entstehungsgeschichte der Haube fast schon einen niedlichen Kontrast: Die Initialen „GS“ und den goldenen Stern auf der Stirn hat nämlich meine Mama aufgenäht. *lacht*

 

Was kann das Publikum bei eurem Auftritt am 13. März erwarten?

Ketzmusic: Das Publikum kann einen absolut energiegeladenen Abriss erwarten. Es wird nicht einfach nur ein Rap-Konzert, es wird eine Rap-Show der Superlative. Dialekt trifft auf schnellen, pulsierenden Flow, fette Bässe und eine Performance, die keine Sekunde stillsteht. Volle Energie, maximale Stimmung und eine Show, die man so schnell nicht vergisst.

 

Noch lange nicht satt

 

Stillstand scheint für euch also weder auf der Bühne noch im Studio eine Option zu sein.  Was habt ihr in Zukunft noch geplant?

Goldener Snuser: Wer unsere Texte kennt, weiß: Wir haben Hunger. Und zwar nicht nur auf Schweinsbraten, Semmelknödel und Sauerkraut.

Ketzmusic: Es wird gefühlt noch jedes bayerische Gericht seinen Platz in unseren Lyrics finden. Außerdem möchten wir gegen Mitte beziehungsweise Ende des Jahres unsere eigene Veranstaltung auf die Beine stellen. Dafür sind wir auf der Suche nach weiteren bayerischen Künstlern, um gemeinsam eine lokale Dialekt-Show zu organisieren. Unser Ziel ist es, die Vielfalt und die Energie der Mundart auf eine Bühne zu bringen und daraus ein echtes Heimspiel für alle Dialekt-Liebhaber zu machen.

 

Zum Schluss stellen wir euch natürlich noch die INNSIDE-Frage: Gibt es einen Fluss, mit dem ihr euch besonders identifizieren könnt?

Goldener Snuser: Das erinnert mich an so ‘ne Geschichte. Der Ketzmusic und ich haben uns vor ein paar Jahren mal mit einem Quizspiel die Zeit vertrieben. Eine Frage lautete: „Welcher Fluss fließt durch Paris? Ist es die Deine, die Meine oder die Seine?“ Weil der Ketzmusic die Frage aber im tiefsten bayerisch vorgelesen hat, ist das seitdem ein Running Gag. Von der Seinen und der Deinen würd‘ ich persönlich die Finger lassen. Ich nehm‘ die Meine.

 

Ob Seine, Meine oder Inn – eines ist klar: Bei Ketzmusic und Goldener Snuser gibt es Energie, Humor und Dialekt-Rap im Überfluss. Alle Songs des Duos findet ihr auf Spotify, die Tickets für den Auftritt am 13. März im Zauberberg Passau gibt es hier.

 

Fragen und Text: Anna Thieringer

Text von