STEIG EIN, PASSAU!

Was wäre, wenn Passau nachhaltiger unterwegs ist und trotzdem weiterkommt?

Was wäre, wenn Passau nachhaltiger unterwegs ist und trotzdem weiterkommt?

Passau ist Flussstadt, Kulturbühne und Reisestartpunkt. Und genau hier prallen Tourismus, Infrastruktur und neue Mobilitätsideen aufeinander: E-Reisebusse, ein Hausboot auf der Donau und vielleicht irgendwann eine Seilbahn zur Veste Oberhaus.
Im Interview spricht Manfred Eichberger, Geschäftsführer von Eichberger Reisen, darüber, was davon schon konkret wird, wo es hakt und warum Mobilität in Passau mehr ist als nur von A nach B.

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Ohne ÖPNV geht’s nicht

 

Innside: Der ÖPNV ist nicht erst seit kurzem in einer Krise. Wie schätzen Sie die Situation als einer der größten Busunternehmer der Region ein? Ist der städtische und regionale Nahverkehr in seiner jetzigen Form noch zu halten?

Eichberger: Ich bin grundsätzlich positiv, deshalb denke ich: ja. Der ÖPNV erfüllt in vielen Bereichen eine Muss-Funktion. Kinder müssen zur Schule kommen, Menschen zur Arbeit gelangen. Wir können den Nahverkehr nicht einfach wegdenken.

Gleichzeitig sollten wir Innovationen aber nicht ausbremsen. Es muss nicht so sein, dass das, was wir heute machen, bereits die endgültige Lösung ist. Im Gegenteil: Wir sollten darüber nachdenken, wie wir den ÖPNV weiterentwickeln können.

Wir stehen ohnehin vor Veränderungen, etwa in Richtung Verkehrsverbund. Ob und in welcher Form es einen Verkehrsverbund in Niederbayern geben wird, wird sich im Laufe dieses Jahres oder spätestens im nächsten Jahr entscheiden. Dann werden wir klarer sehen, in welche Richtung es gehen kann.

Natürlich ist die finanzielle Situation angespannt. Das ist kein Geheimnis. Die Defizite sind da, und sie werden sowohl im Landkreis als auch in der Stadt nicht kleiner. Trotzdem ist die Aufgabe momentan noch zu stemmen.

 

Tourismus braucht Teamwork

 

Sie sind auch ein großer Reise- und Tourismusanbieter. Wie hat sich der Tourismus im letzten Jahr in unserer Region entwickelt und was kann man Ihrer Meinung nach noch verbessern?

In der Region können wir noch einiges verbessern. Gleichzeitig muss man sagen, dass wir speziell in der Stadt Passau touristisch in einer guten Situation sind. Wenn man sich die Zahlen aus 2025 anschaut, hatten wir sehr gute Übernachtungszahlen. Viele Gäste stammen aus dem Nahbereich Bayern und Oberösterreich. Auch der Fahrrad- und der Kreuzfahrttourismus entwickeln sich weiter nach oben. Passau ist als Marke sehr stark.

Hilfreich wäre, wenn privater und öffentlicher Tourismus besser verzahnt wären. Da gibt es noch Schwierigkeiten, auch wenn die Gesamtlage gut ist.

Im Landkreis ist das Bild gemischt. Der Bayerische Wald und die Wellnesshotellerie funktionieren sehr gut. Im Thermenland, also etwa in Bad Füssing oder Bad Griesbach, tun wir uns noch schwer, wieder an 2019 anzuknüpfen. Das hat auch damit zu tun, dass die klassische Kurzeit leider vorbei ist. Der neue Gast, den es durchaus gibt, kommt eher für Wellness. Er bleibt aber nicht mehr drei oder vier Wochen, sondern eher drei oder vier Tage. Das bedeutet, dass man deutlich mehr Gäste braucht, um ähnliche Übernachtungszahlen zu erreichen. Das ist anspruchsvoll – aber genau da liegt auch Potenzial.

Zudem müssen wir uns stärker internationalisieren. Viele Gäste kommen aus dem Nahbereich, etwa aus Oberösterreich. Es gibt aber weitere Märkte in Reichweite, zum Beispiel Wien oder Prag. Da liegt viel Potenzial. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten. Das kann kein einzelnes Unternehmen allein leisten. Es braucht eine gemeinsame Anstrengung, und die muss sich auch im Bewusstsein verankern.

 

Braucht Passau dafür eine neues Tourismuskonzept?

Das Thema ist bereits in Bewegung. Aus meiner Sicht ist es wichtig, Dinge zusammenzuführen, die zusammengehören. Der öffentlich-rechtliche und der private Tourismus sind momentan oft zwei unterschiedliche Bereiche mit wenigen Berührungspunkten. Hier wäre es wichtig, Interessen zu bündeln und insgesamt schlagkräftiger zu werden. In Österreich gelingt das vielerorts besser. Bei uns steht da manchmal noch eine Mauer dazwischen.

Insgesamt wäre dafür auch gar nicht so wenig Geld im System. Es wird aber oft zu wenig zielgerichtet eingesetzt. Deshalb braucht es ein klares Marketingkonzept. Man muss sich fragen: Wen wollen wir ansprechen, wie erreichen wir diese Zielgruppe, und warum soll jemand gerade hierherkommen? In manchen Bereichen funktioniert das schon gut, aber noch nicht überall.

Wenn man das Bäderdreieck betrachtet, ist außerdem ein Vorteil, dass es genug Thermen gibt. Es müssen nicht alle dasselbe anbieten. Unterschiedliche Profile sprechen unterschiedliche Gäste an. Insgesamt sollten die Beteiligten näher zusammenrücken und Doppelungen vermeiden.

Ein Teil der Herausforderung liegt auch in den Strukturen. Wir sind noch stark geprägt von der Zeit klassischer Tourismus- und Fremdenverkehrsämter. Diese Strukturen waren früher wichtig. Die Bedürfnisse haben sich aber verändert. Die Gäste sind heute viel digitaler. Darauf müssen Angebote und Organisation deutlich stärker reagieren.

 

Vom Plan zur Praxis

 

Sie sind auch immer für Innovationen gut. Im letzten Jahr haben Sie ein Hausbootprojekt vorgestellt. Was hat es damit auf sich?

Ich finde Hausboote einfach sehr cool. In der Corona-Zeit haben wir begonnen, über so ein Projekt nachzudenken. Daraus ist dann das Hausbootprojekt entstanden. Inzwischen ist auch ein Wasserstoffantrieb mit Brennstoffzelle an Bord.

Am Anfang war das nicht ganz einfach umzusetzen. Zwischenzeitlich sind auch Zulieferer insolvent gegangen. Dadurch war es phasenweise schwierig. Inzwischen sind wir aber fertig und sehr nachhaltig unterwegs.

Im Sommer des letzten Jahres haben wir gestartet und anschließend noch an Details gefeilt. Momentan liegt das Boot bei Heller Robert im Fscherstüberl. Dort wird es auch über den Winter betreut. Für Übernachtungen ist es aber auch jetzt jederzeit buchbar und Events wird es ab Frühjahr wieder geben.

Das Angebot ist wirklich besonders. Man kann auf der Donau entlangfahren und direkt an Bord übernachten. Theoretisch dürfte man mit Sportbootführerschein sogar selbst fahren. Wegen der Größe würde ich aber einen Skipper empfehlen.

Insgesamt bietet das eine sehr hohe Lebensqualität. Das Innendesign hat schon fast Yacht-Flair. Es macht richtig Spaß.

 

Und wie steht’s um unser Lieblingsprojekt, der Seilbahn zur Veste Oberhaus? Ist das noch en vogue?

Im Moment liegt das Projekt in der Schublade. Es gibt aber ein festes Versprechen: Nach der Kommunalwahl wird es wieder hervorgeholt.

Städtische Seilbahnen sind aktuell tatsächlich im Kommen. Weltweit entstehen gerade viele neue Projekte, auch in Europa. Ein Beispiel ist Porto. Dort sieht man, dass so eine Lösung sehr sinnvoll sein kann, sowohl touristisch als auch im Sinne des ÖPNV.

Passau wäre dafür im Grunde prädestiniert. Wir haben hier deutliche Höhenunterschiede, die man mit einer Seilbahn sehr gut überwinden kann. In Porto stört die Seilbahn das Stadtbild auch nicht. Mir ist sie dort nicht einmal besonders aufgefallen. Ich bin einfach damit hochgefahren. Genau so würden wir es auch gerne umsetzen. Dafür hoffen wir auf entsprechende Unterstützung.

 

Gibt es weitere Projektideen aus Ihrem Haus?

Wir starten dieses Jahr mit den ersten elektrischen Reisebussen. Der FC Bayern bekommt die ersten drei Fahrzeuge, und ab dem vierten sind wir dann dabei. Die Busse haben eine Reichweite von rund 600 Kilometern. Unsere Reiserouten sind darauf abgestimmt. Für Tagesfahrten passt das ohnehin. Aber auch größere Touren sind möglich. Nach Kroatien kommt man damit auf jeden Fall.

Natürlich muss man sich Gedanken darüber machen, wie und wo die Busse geladen werden. Die Reichweite an sich sehen wir jedoch nicht als Problem. Bisher gab es so ein Angebot am Markt nicht. Deshalb wird das jetzt ein deutsches Produkt. Die Busse sind bereits bestellt. Bis zum Jahresende sollen die ersten zehn Fahrzeuge kommen.

Mit Elektrofahrzeugen haben wir insgesamt weniger Probleme als mit Verbrennern. Das Einzige, das bei der allerersten Generation der E-Busse etwas nervig war, kam aus dem Winterbetrieb: Damals waren die Batterien nicht beheizt. Wenn es im Januar einmal zweistellige Minusgrade hatte, bekam man die Batterie nicht mehr richtig warm. Dann ließ sie sich auch nicht mehr laden und das Auftauen dauerte schnell einen halben bis dreiviertel Tag. Ganz so häufig hatten wir diese Situation hier aber nicht, weil zweistellige Minusgrade bei uns eher selten sind.

 

Zum Schluss unsere Flussfrage, dieses Mal leicht abgewandelt: An welchem Gewässer machen Sie am liebsten Urlaub?

An der Donau. Wenn ich an die Donau denke, fallen mir spontan sehr viele schöne Urlaubsideen ein, zum Beispiel die Wachau.

Auch eine Tour mit dem Hausboot auf der Donau steht dieses Jahr auf meiner To-do-Liste. Ich würde gerne hinunter in die Wachau.

Ein Traum wäre auch, abends durch Budapest zu fahren. Die Stadt liegt gefühlt mitten in der Donau. Mit den vielen Brücken, den Lichtern und dem Burgberg wirkt das besonders beeindruckend.

Auch Touren donauaufwärts Richtung Regensburg oder donauabwärts Richtung Wien und Bratislava sind schön. Flusskreuzfahrten sind nicht umsonst so beliebt. Man erlebt jeden Tag etwas Neues. Die Donau verbindet unglaublich viele Orte, und die Dichte an Kultur entlang des Flusses ist wirklich beeindruckend. Das hat etwas von Offenheit. An diese Offenheit sollten wir uns manchmal wieder stärker erinnern.

 

Fragen und Text: Gerd Jakobi und Viola Wiesbauer