„Jazz music is the power of now“, hat der Trompeter Wynton Marsalis einmal gesagt. Die Gegenwart steht im kommenden Frühling auch in Bremen im Fokus. Furiose Live-Acts aus mehr als 20 Ländern werden die Bühnen des weltweit größten Branchentreffens bereichern.
Die jazzahead! zeigt am letzten April-Wochenende 38 internationale Acts aus den verschiedensten Altersgruppen, Weltregionen und Genres. In Bremen berührt der Jazz auch Latin, Hip Hop, Metal, Folk, Funk, Electronica, Singer-Songwriter-Jazz und experimentelle Sounds. Hier der Zeitplan online.
Die Showcases wurden in einem aufwändigen Prozess von internationalen Jurys unter der Leitung von Götz Bühler, künstlerischer Berater der jazzahead!, ausgewählt. Ein Schwerpunkt liegt auf Bands aus dem Partnerland Schweden.
Neben Europa spielen erneut auch Länder eine Rolle, die oftmals auf europäischen Festivals unterrepräsentiert sind: Senegal, Südafrika und Togo. Dazu kommen Acts aus Brasilien, Kanada, den USA und Israel.
Das Showcase-Festival wird am Donnerstag, den 23. April um 14 Uhr mit einem 30-Minuten-Konzert des schwedischen Joel Lyssarides Trio eröffnet. Der Pianist ist seit Jahren ein Hit auf den Streaming-Plattformen und begeistert nicht nur mit melodischen Songs, sondern auch mit seinem subtilen Zusammenspiel mit Bass und Schlagzeug. Lyssarides wird Songs seines pünktlich zum Festival erscheinenden neuen Albums vorstellen.
Zu den Stars des Abends zählt zweifellos die in New York lebende Künstlerin Tonina, die als Bassistin unterschiedlichste musikalische Einflüsse verbindet. Ihr Gesangs-Talent wurde dagegen schon mit Billie Holiday verglichen; sie tritt mit Songs auf Spanisch, Englisch und Italienisch auf.
Das rauschende Finale des Donnerstags bestreitet der in Berlin lebende ungarische Produzent/Keyboarder Szabolcs Bognár und sein Quartett. Als Àbáse wird er nicht nur von DJs wie Gilles Peterson gefeiert, auch weil er modalen Jazz mit elektronischer Musik und Klängen und Rhythmen aus aller Welt verbindet.
Der Showcase-Freitag steht – nur einen knappen Monat vor Miles Davis 100. Geburtstag – im Zeichen herausragender Trompeter:innen.
Der Wahlberliner Richard Koch stellt sein Projekt Rays of Light vor, das in der ungewöhnlichen Besetzung Violine, Akkordeon, Bass und Rahmentrommel auftritt. Die Leichtigkeit ihrer Songs bildet ein ideales Gegenmittel zur Düsternis gegenwärtiger politischer Entwicklungen.
Die englische Trompeterin Laura Jurd ist dagegen lose in einem British-Folk-Kontext verortet. Und doch operiert ihr Quintett mit Bratsche, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug in einem ähnlich Genre-losen Umfeld wie das von Koch.
Der jazzahead!-Schwerpunkt „Jazz from Africa” präsentiert von Donnerstag bis Samstag täglich je eine Band vom afrikanischen Kontinent. Zu den Stars zählt das Sydney Mavundla Quartet aus Südafrika. Über den Johannesburger Jazz-Veteranen heißt es, dass die Schönheit seines Trompetenspiels einem förmlich das Herz herausreiße.
Natürlich stehen nicht nur Bläser im Mittelpunkt. Der Bass-Virtuose und Sänger Michael Pipoquinha erforscht spät nachts noch mit seinem Quartett seine brasilianische Identität, in einem Stil, den er „Afro-Groove” nennt.
Der Samstag beginnt mit einem Set des italienischen Violinen-Phänomens Anaïs Drago. Drago war 2023 Rising Star des Downbeat Magazines. Mit akustischer und elektrischer Geige sowie verschiedenen Effekt-Geräten bewegt sie sich zwischen Pop, Jazz und Neuer Musik.
Das Trio von Sharon Mansur vereint Jazz mit der Energie des Rock und der Farbenpracht nahöstlicher Musik. Die israelische Pianistin/Keyboarderin steht nicht erst seit ihrem Debüt für das Label ACT für provokante und unterhaltsame Live-Konzerte.
Das Partnerland Schweden eröffnet und beendet das Festival. Posaunist Kristian Persson bestreitet als Teil der Norrbotten Big Band bereits das jazzahead! Grand Opening am Mittwoch. Sein Sextett Nine Sparks Riots verbindet im Geiste von Snarky Puppy und Co. Funk und Neo-Soul – und wird im nächtlichen Schlachthof pure Euphorie vermitteln.
Ähnlich Genre-übergreifend agiert früher am Abend die Saxophonistin Lina Langendorf mit ihrer Band Langendorf United, die für „funkified, psychedelic Ethio-Jazz Fusion“ steht. Bereits nachmittags spielt das Britta Virves Trio um die Stockholmer Pianistin melodischen Jazz, der sich um Natur-Meditationen dreht.