Pippo Pollina (Foto: Lena Semmelroggen)
Pippo Pollina kommt im Sommer zum Donaufestival nach Fürstenzell und bringt mit dem Palermo Acoustic Quintet die Essenz seines Repertoires auf die Bühne. Wenn der sizilianische Liedermacher gastiert, wird es persönlich und politisch zugleich: Poetische Bilder treffen auf klare Haltung.
Im INNSIDE-Interview spricht Pollina über Musik, antifaschistischen Widerstand – und Passauer Sommerabende, die ihm im Gedächtnis geblieben sind.
Innside: Pippo, du bist im Sommer dieses Jahres wieder in unserer Region zu Gast. Auf welches Programm und auf welche Lieder können wir uns freuen? Mit welchen Musikern bist du unterwegs, und was gibt es über sie zu erzählen?
Pippo Pollina: Ich bin in diesem Sommer mit dem Palermo Acoustic Quintet unterwegs. Das sind Musiker, mit denen ich seit vielen Jahren zusammenarbeite. Roberto Petroli zum Beispiel ist seit 15 Jahren an meiner Seite und spielt Saxofon. Außerdem dabei sind Fabrizio Giambanco am Schlagzeug, Mario Rivera am Bass, Gianvito Di Maio am Akkordeon und Piano sowie Edoardo Musumeci an der Gitarre. Es sind alles Italiener – die meisten kommen aus Apulien, Kampanien und Sizilien. Ich werde die Quintes-senz meines Repertoires präsentieren, sozusagen eine Art „Best of“.
Du bist immer auch ein politischer Liedermacher und Sänger gewesen. Wie schlägt sich die derzeit turbulente politische Situation in deinem Programm nieder?
Das stimmt. Ich bin in meinem Repertoire und in meinen Liedern immer sensibel für politische Themen geblieben, und jetzt erst recht, angesichts dessen, was wir weltweit erleben. Mein letztes Album „Zwischen Krieg und Frieden“ enthält viele Lieder, die die Schwierigkeiten und Zerrissenheit dieser Zeit thematisieren – eine Zeit, in der unsere Demokratie zunehmend in Frage gestellt wird. Je bedrohlicher die Lage wird, desto wacher müssen Künstler sein und bleiben, und desto wichtiger ist es, dass wir uns in die politische Debatte einmischen.
Nicht nur bei uns, sondern auch in deiner italienischen Heimat stehen die Faschisten wieder auf und drängen an die Macht – oder sind sie es gar schon. Was können wir und Künstler wie du tun, um das abzuwehren?
Künstlerinnen und Künstler sind oft die letzten Vertreter einer Utopie. Und sie waren für die Macht immer ein Problem: In autokratischen Regimen und in faschistischen Systemen gehören sie meist zu den ersten Opfern, weil sie Menschen ermutigen, kritisch zu bleiben und den Konsens gegenüber einer Diktatur zu begrenzen. Deshalb waren Künstler nie Freunde solcher Regierungen und geraten schnell unter Druck. In Italien ist es nicht anders – im Gegenteil. Aber es gibt auch eine große antifaschistische Bewegung, und ich bin sicher: Von ihr werden wir noch lange hören.
Du warst schon oft in unserer niederbayerischen Region. Was hat dir hier am besten gefallen, und welche Erinnerungen hast du an deine Auftritte hier?
Die Auftritte bei euch in der Region – und vor allem in Passau – waren immer sehr, sehr schön. Ich war oft im Sommer bei euch. Wenn wir Glück hatten und einen sonnigen Tag erwischt haben, waren das Konzerte, die besonders gefeiert wurden und mir in Erinnerung geblieben sind. Und ich erwarte ehrlich gesagt nichts anderes, als dass es beim nächsten Mal genauso wird.
Du hast vor nicht allzu langer Zeit einen Roman herausgebracht. Worum geht es darin?
Einen Roman zu schreiben ist eine sehr introvertierte Erfahrung. Beim Schreiben ist man allein, man reflektiert allein – da ist viel Einsamkeit. Aber genau diese Einsamkeit hilft dabei, Gedanken zu ordnen und die richtigen Formulierungen zu finden. Das ist eine ganz andere Erfahrung als Musik. Musik ist ein Ritual, das man mit Menschen feiert. Natürlich gibt es auch beim Komponieren Phasen, in denen man allein ist, aber sie sind oft viel kürzer als beim Romanschreiben. Ein Roman dauert Monate oder sogar Jahre, ein Lied kann dagegen eine kurze Operation sein. Und die Aufnahme eines Albums ist wiederum eine kollektive Arbeit mit Musikerinnen und Musikern, Produzenten und vielen anderen. Diese beiden Welten kann man kaum miteinander vergleichen.
Zum Schluss möchten wir auch dir unsere INNSIDE-Frage stellen: Gibt es einen Fluss in deinem Leben, der dich besonders geprägt hat?
Es gibt keinen Fluss, der mich besonders geprägt hat. Aber ich bin ein uomo di mare – das Meer hat mich geprägt. Ein Fluss ist trotzdem ein wunderbarer Ausdruck der Natur. Ich träume manchmal von einer Reise auf der Donau: von Stadt zu Stadt, und man sieht, wie sich die Landschaft unterwegs verändert.
Fragen und Text: Gerd Jakobi und Viola Wiesbauer
Klostergarten Fürstenzell
VVK: Reservix