Unsere Strukturreformen greifen!

Der Passauer Landrat Kneidinger im INNSIDE-Interview über Finanzen, Kultur und über das Klima.

Im Landkreis Passau ist der neue Landrat der alte geblieben. Seit gut einem halben Jahr arbeitet Landrat Raimund Kneidinger nun schon wieder in seinem Amt. Gelegenheit für uns, einmal nachzufragen, wie es ihm ergangen ist und welche Schwerpunkte sich ergeben haben.

 

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Basis sind die Finanzen

INNSIDE: Sie sind nun schon wieder fast ein halbes Jahr nach der Wiederwahl im Amt. Wo werden Sie den Schwerpunkt für die nächsten Jahre setzen?

Raimund Kneidinger: Enorm wichtig und letztlich die Basis für eine solide Kreispolitik sind solide Finanzen. Eng mit diesem Thema verbunden ist die Zukunft unserer Gesundheitsversorgung im Landkreis. Unsere Klinikstandorte in Wegscheid, Vilshofen und Rottalmünster zukunftssicher zu halten, ist sicher ein Schwerpunkt. Weitere Stichworte sind hier die Wirtschaftsförderung, Bildung, Ehrenamt, Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit. Was uns ganz sicher weiterhin sehr beschäftigen wird, ist das Energiethema. Hier haben wir mit dem Regionalwerk ja schon erfolgreich Weichen gestellt.

 

Hauptschwerpunkt: Krankenhäuser

Große Probleme gab es zuletzt bei den Kreiskrankenhäusern. Wie steht es um die Reform und welche Konsequenzen sehen Sie für die Region?

Wie gesagt ist das eines unserer Hauptthemen – und das mit wirklich guten Nachrichten. Denn unsere Struktur-Reformen greifen. In Wegscheid haben wir das schon geschafft, Vilshofen ist auf einem guten Weg und in Rotthalmünster stellen wir uns erfolgreich der Herausforderung, unter geänderten Rahmenbedingungen zu bauen. Ich bin überzeugt: Unsere Region wird auch künftig eine flächendeckende stationäre Gesundheitsversorgung haben. Dass nicht überall alles angeboten werden kann, ist klar. Dafür haben die Menschen aber auch Verständnis.

 

Der Landkreis Passau nennt sich mit recht Kulturlandkreis. Können Sie bei den allgemeinen Sparanstrengungen diesen Anspruch weiterhin aufrecht halten?

Es verlangen schon Fairness und Solidarität, dass beim Sparen niemand ausgenommen wird. Aber mit Augenmaß! Der Kulturetat ist beileibe nicht das Schwergewicht im Haushalt. Dem gegenüber ist Kultur als Standortfaktor und für die Lebensqualität extrem wichtig. Themen wie die Kreismusikschule, die Landkreisgalerie, unser Kulturpreis und vieles mehr gehören zum Markenkern des Landkreises. Und das wird auch künftig so sein.

 

Klima: Die Lage ist ernst

Der Hitzesommer 2026 beschäftigt sicher auch den Landkreis Passau. Worin sehen Sie speziell bei uns die Herausforderungen für die Zukunft?

Wir brauchen noch mehr Bewusstsein für die Ressource Wasser. Dazu müssen wir aufklären – auch darüber, dass sich die Grundwasser-Situation nicht kurzfristig lösen lässt. Einig Regentage nutzen da nicht. Wir müssen lernen, langfristig zu denken und notfalls konsequent zu handeln. Dass wir über Wochen das Grundwasser per amtlichem Verbot schützen mussten und etwa das Befüllen von Pools untersagt haben, zeigt wie ernst die Lage ist. Ich weiß, nicht alle haben das erkannt. Aber ich bin Optimist und glaube an die Vernunft der Menschen.

 

Stadt und Landkreis Hand in Hand

Sie haben es in der Stadt Passau mit einem neuen Oberbürgermeister zu tun. Worin sehen Sie die wichtigsten Projekte für diese wichtige Zusammenarbeit in Stadt und Landkreis in nächster Zeit?
Der Landkreis Passau und die Stadt Passau haben naturgemäß eine Vielzahl gemeinsamer Themen. Der Dialog dazu war immer intensiv, ganz gleich wer Landrat oder Oberbürgermeister war. Das setzt sich auch jetzt nahtlos fort. Unsere Themen sind etwa die Stärkung des Medizincampus Niederbayern oder auch der Verkehr, sei er nun individual oder ÖPNV. Gute Beispiele unserer Zusammenarbeit sind Sandortmarketing oder gemeinsame Atemschutzausbildung unserer Feuerwehrler.

 

Wer anschafft soll auch zahlen

Zum Schluss eine etwas abgewandelte Flussfrage? Auf welche Entscheidungen hätten Sie als Landrat persönlich gerne mehr Einfluss?

Wieviel Platz habe ich denn? (lacht) Nein im Ernst: Am meisten treibt es uns Landräte um, dass die Landkreise das allermeiste Geld dafür ausgeben, was andere – sprich der Bund – etwa bei der Sozialgesetzgebung und der Jugendhilfe anschaffen. Darauf hätte ich gerne mehr Einfluss. Das Prinzip wäre ja ganz einfach: Wer anschafft, zahlt es auch.

 

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Gerd Jakobi.
Fotos: Sebastian Ambrosius