Der Dekalog – Eine Miniserie

Theaterdozent Dr. Florin Vidamski im INNSIDE-Gespräch

Der erfolgreiche rumänische Theaterdozent Dr. Florin Vidamski ist an der Athanor Akademie in Passau tätig. Als erfahrener Theaterleiter, Regisseur und Schauspieler mit über 20 Jahren Erfahrung bei internationalen Theaterprojekten, ist er eine der Koryphäen an der Akademie in Passau. Mit „Dekalog“ bringt er mit seinen Schülern ein besonderes Experiment auf die Bühne.

Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm.

 

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INNSIDE: Herr Dr. Vidamski, was erwartet das Publikum bei „Dekalog“?

Dr. Florin Vidamski: Zehn Fälle, keine zehn Predigten. Bei Kieślowski sind die Gebote keine Regeln. Sie sind Situationen, in denen jede Entscheidung etwas kostet, und genau so erleben wir sie. Das klingt nach Leben, nicht nach Theologie. Antworten sollte das Publikum nicht erwarten.

Warum ist „Dekalog“ aus Ihrer Sicht gerade heute so brisant?

Ich misstraue dem Wort „brisant“ ein wenig, es klingt, als müsste Kunst aktuell sein wie eine Schlagzeile. Die Konflikte des Dekalog sind nicht aktuell, sie sind dauerhaft. Was schulde ich meinem Kind, meinem Nachbarn, der Wahrheit? Neu ist nur eines. Zwischen uns und diesen Fragen steht heute fast immer ein Bild, ein Bildschirm, ein Ausschnitt, eine Auswahl, die jemand für uns getroffen hat. Wir kommentieren das nicht.

Ein Stück an zwei Abenden

Sie zeigen „Dekalog“ an zwei aufeinanderfolgenden Abenden. Was ist das Besondere an diesem Konzept?

Dass die Teilung nicht von der Länge kommt. Sie kommt von der Form. Die ersten fünf Gebote sind reines Theater, Körper, Stimmen, ein Raum. Ab dem sechsten Gebot verändert sich der Blick selbst.
Eine Live-Kamera, getragen vom Chor, entscheidet, was groß wird und was ungesehen bleibt. Der erste Abend zeigt Menschen, der zweite zeigt, was aus Menschen wird, wenn man sie in Bilder verwandelt. Diese Verwandlung braucht eine Nacht dazwischen.

Widerstand gegen Fragmentierung. Zwei Abende bedeuten, ich nehme mir Zeit für ein tiefes Kunstwerk.

Die Menschen, die angeblich keine Aufmerksamkeit mehr haben, schauen acht Stunden am Stück Serien. Die Fähigkeit zur langen Form ist nicht verschwunden. Was selten geworden ist, ist etwas anderes, dieselbe lange Aufmerksamkeit in einem Raum, mit fremden Menschen, ohne Pausetaste, ohne zweiten Bildschirm. Eine Erfahrung, die es nur hier gibt.

Athanor bietet Passauern
etwas Seltenes

Welche Rolle kann Theater in einer Stadt wie Passau heute spielen?

Die Athanor Akademie ist eine Schauspielschule. Passau kann etwas sehen, was selbst große Städte selten zeigen, den Moment, in dem Schauspieler:innen entstehen. Diese jungen, talentierten Leute stehen mitten in ihrer Ausbildung und tragen schon einen ganzen Kieślowski auf den Schultern, mit einer Ernsthaftigkeit und Zärtlichkeit, die mich jeden Tag in den Proben überrascht. Eine solche Jahrgangsproduktion ist kein fertiges Produkt, sie ist ein Übergang, und das Publikum ist Zeuge davon.

Und mit welchem Fluss können Sie sich am ehesten identifizieren?

Mit dem Inn, aus Sympathie und aus Biografie. Er kommt von woanders her, aus den Bergen, er ist der Fremde unter den dreien, und an der Mündung führt er mehr Wasser als die Donau, auch wenn die Donau den Namen behält. Vor allem aber sieht man am Dreiflüsseeck kilometerweit, wie sein helles Wasser die Donau einfärbt, ohne dass die Donau aufhört, Donau zu sein. Etwas Besseres kann jemand, der von außen in eine Stadt kommt, sich nicht wünschen.

 

Die Fragen stellte Gerd Jakobi

 

 

Die Termine der Aufführungen:

02. + 03. Juli 2026, je um 19:30 Uhr
(Teil 1 + 2)

04. + 05. Juli 2026
Am 04. Juli um 19:30 Uhr
Am 05. Juli um 18:00 Uhr
(Teil 1 + 2)

10. + 11. Juli 2026, je um 19:30 Uhr
DEKALOG (Teil 1 + 2)

 

Athanor Akademie

Schulbergstraße 30 . 94034 Passau
Tel.: +49 851 966 092 – 0

www.athanor.de