Bruno Jonas – Klappe Halten

Quälende Fragen an den Gründer der Passauer Kabaretttradition

In seinem neuen Programm legt er selbstkritische Fragen vor: Was darf Satire? Wirklich alles oder geht manches doch zu weit und sollte man dann lieber die Klappe halten? Welche Rolle wird von ihm erwartet, nicht nur im Film, in der Wirklichkeit, in der Öffentlichkeit, im Privaten, im Spektrum der Meinungen in dieser Demokratie: Gibt es am Ende doch ein richtiges Leben im falschen? Was ist richtig, was ist falsch?

 

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INNSIDE: Du giltst seit Jahren bei den Innsidern als der Philosoph unter den Kabarettisten. Machst du mit deinem Programm „Klappe halten“ eine Ausnahme?

Vielleicht. Ich bin die Ausnahme, mache aber nicht immer eine. Im Ernst: „Klappe halten“ ist der Titel des Programms, das ist richtig, ich halte mich aber nicht dran. Dieses „Klappe halten“ bezieht sich einerseits auf Einschüchterungen, mit denen jeder rechnen muss, der den Artikel 5 GG für Meinungsäußerungen nutzt, die nicht erwünscht sind. Andererseits hat „Klappe halten“ beim Film noch einen anderen Sinn.

 

Spielst du in diesen verwirrenden Zeiten einen verwirrten Kabarettisten der wie wir alle seinen Kompass neu einnorden muss oder hast du deinen Weg gefunden und kannst uns da etwas weiterhelfen.

Verwirrt? Mei, Verwirrung ist möglich und immer spannend. Ich stifte lieber Verwirrung, als dass ich sie auflöse. Weiterhelfen? Ich kann es versuchen, aber letztlich muss jeder selber schauen, wo er bleibt.

 

Dass dein Programm den Titel „Klappe halten“ trägt ist, für dich als Formulierungsakrobaten schon eine echte Überraschung. Wie ist das zu verstehen?

Immer anders. Heutzutage darf ja nicht nur jeder sagen, was er kann, jeder darf auch verstehen, was er will.

 

Gespannt sind wir natürlich auch auf die Antwort auf die Frage was Kabarett und Satire noch darf und kann. Was ist deiner Meinung nach grenzwertig in der satirischen Behandlung?

Das Urteil darüber fällt der Zuschauer. Satire darf alles, bis auf das, was sie nicht darf. Ich glaub, langweilig darf sie nie sein.

 

Ich war neulich bei der Verleihung des Scharfrichterbeils in Passau und war enttäuscht, dass die einzige politische Kabarettistin des Abends den Preis eben nicht bekam. Ist das Kabarett auf dem Weg seine Klappe zu halten, wenn es um konkrete politische Inhalte geht?

Vielleicht war das bei deinem Besuch im Scharfrichterhaus so. Grundsätzlich gilt das nicht. Andreas Rebers, Dieter Nuhr, Helmut Schleich beweisen mit ihren Programmen das Gegenteil.

 

Du sollst im Programm einen skrupellosen, einflussreichen Journalisten spielen, was du anfänglich ablehnst. Ist eine solche Rolle der Preis den man zahlt, wenn man seine Klappe nicht halten will aber dennoch gehört werden möchte?

Man bietet mir eine Filmrolle an. Der Charakter, den ich darstellen soll ist höchst zweifelhaft. An dieser Figur entzünden sich meine satirischen, oft ironischen Überlegungen. Wie immer will ich niemand bevormunden. Der Zuschauer darf seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.

 

Zum Schluss – du ahnst es – kommt die Innside-Flussfrage. Bist du immer noch ein Inntyp oder hat dich die Altersweisheit verdonaut?

Forever Inn. Der Inn hat viele Gesichter. Wild, lieblich, gefährlich, idyllisch, immer eiskalt.

 

Die Fragen stellte Gerd Jaklobi

 

Samstag, 28.02.2026
WALDKIRCHEN Bürgerhaus

Karten: Touristinfo Waldkirchen,
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