Die drei BI-Sprecher v.l.: Markus Schönhofer (Initiative Ilzleite, Max Moosbauer ( Die Angerer) und Peter Giedt (Lärmschutz Passau West)
Es ist im Westen der Stadt, am Anger und an der Ilzleite ein leidvoller Dauerbrenner, der viele Menschen in diesen Stadtvierteln bewegt: unerträglicher Verkehrslärm, lebensgefährliche Enge mit zu hohen Geschwindigkeiten! Immer wieder hatten die Anwohner-Initiativen dort entsprechende Maßnahmen von den Rathauspolitikern und der Stadt gefordert, bisher jedoch meist vergebens.
Um ihren Forderungen nun mehr Nachdruck zu verleihen, haben die BI’s „Lärmschutz Passau-West“, „Initiative Ilzleite“ und „Die Angerer“ kürzlich bei einem Angerer-Treffen beschlossen, bei diesem Thema an einem Strang zu ziehen und mit dem Oberbürgermeister das Gespräch darüber zu suchen.
Im Westen unserer Stadt geht es um die Temporeduktion auf der A3 von 120/100 km/h auf 80 km/h für Pkw bzw. 60 km/h für Lkw. Auf der B12 im Bereich der Hammerbachtalbrücke sollten die vom Stadtrat beschlossenen 60 km/h endlich umgesetzt werden, damit auch dort die Anwohner noch eine lebenswerte Zukunft haben.
„Lärmschutz Passau West“-Sprecher Peter Giedt:
„Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf der A3 und der B12 hätte unbestritten folgende Vorteile: eine sofortige Reduzierung des Lärmpegels und somit eine spürbare Entlastung der Anwohner um mindestens 50 % des Ursprungwertes, eine sofortige Reduzierung der gemessenen Feinstaubwerte PM10 und PM 3,5, eine sofortige Reduzierung des Kraftstoffverbrauches, und ein sofortiger Rückgang der Unfallhäufigkeit.“
Ein weiterer erheblicher Vorteil wäre, dass diese Maßnahme – vorausgesetzt der Wille, dies auch umzusetzen wäre vorhanden – keinen erheblichen finanziellen Aufwand für die zuständigen Behörden darstellen würde. Dem gegenüber steht ein kleiner Nachteil für die Autofahrer, die ein paar Minuten längere Fahrzeit einplanen müssen.
„Wie immer liegt es nun an den Behörden, welche Schwerpunkte sie in der Verkehrspolitik setzen, aber auch an den politisch Verantwortlichen, die eine Fürsorge- und Schutzpflicht für Ihre Bürger haben und diese auch wahrnehmen sollten,“ sagt Peter Giedt.
An der Ilzleite sind Fußgänger und vor allem Kinder ständig großen Gefahren ausgesetzt – der Gehweg dort ist an vielen Stellen gerademal 50 bis 70 Zentimeter breit, er ist überdies ein Schulweg und führt zu einem Kindergarten in Hals.
Tempo 30 wäre an der Ilzleite für die Autofahrer ein Zeitverlust von vielleicht 40 Sekunden auf der 840 Meter langen Strecke, sagt Initiative Ilzleite-Sprecher Markus Schönhofer. Und:
„Die derzeitige Regelgeschwindigkeit von 50 km/h passt nicht zu den baulichen Gegebenheiten in der Ilzleite: Dass das Miteinander von Fußgängern und Kraftfahrzeugen nicht funktioniert, wird täglich offensichtlich, wenn in der schmalen Straße Fahrzeuge im Begegnungsverkehr ausweichend den Gehweg befahren. Die Fußgänger müssen ihrerseits oftmals auf die Fahrbahn ausweichen, weil die Gehwege eine zu geringe Breite aufweisen. Eine Temporeduzierung sehen wir daher als dringend notwendig an, um alle Verkehrsteilnehmer zu schützen!“
Für „Die Angerer“ ist der nächtliche Verkehrslärm vor ihren Haustüren unerträglich, deshalb ihre Forderung: Tempo 30 in der Zeit zwischen 22h und 06h!
Angerer-Sprecher Max Moosbauer „ Auch die gegenüberliegende Altstadt und Neumarkt leiden durch den nächtlichen Lärm. Wir wissen von Hoteliers, die Probleme mit dem Lärm vom Anger haben. Kein Wunder, bei uns am Anger werden die zulässigen Werte weit überschritten: Statt der Grenzwerte von 50 Dezibel erreichen wir 68,7. Das bedeutet 15–20 dB über der zulässigen Schwelle und damit eine massiv erhöhte Belastung, das sind Nachtwerte weit über dem Schlafstörungsbereich.“
Die Auswirkungen bei dauerhafter Belastung wie 68–70 dB sind alarmierend und der Zusammenhang ist wissenschaftlich gut belegt: Schlafstörungen, erhöhter Puls und Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Obendrein noch erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Was würde Tempo 30 nachts statt 50 km/h am Anger tatsächlich bringen?
Eine Verringerung des Dauerschallpegels um durchschnittlich 3 Dezibel nimmt das menschliche Ohr wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahr. Dabei verringert Tempo 30 nicht nur die durchschnittliche Lärmbelastung und die maximalen Lärmpegel, sondern führt auch zu deutlich geringeren Pegelschwankungen. Aber auch der enorme Verkehrslärm vom Anger, der die gegenüberliegende Altstadt belastet, nimmt ebenfalls ab.
Und noch ein Thema liegt den drei Bürgerinitiativen besonders am Herzen, Stichwort „Dialog mit den Bürgerinitiativen“. Denn da gäbe es noch einiges Verbesserungspotenzial. Seit Jahren beklagen wir Passauer Bürgerinitiativen in Sachen Dialogbereitschaft von Politik und Verwaltung: fehlende Umsetzung von Zusagen, schleppende Verfahren oder unzureichende Einbindung. Leider haben wir häufig den Eindruck, dass Verwaltung und Politik unsere Anliegen ignorieren oder zu wenig berücksichtigen.
Moosbauer: „Im zurückliegenden Wahlkampf hat sich der designierte Oberbürgermeister Andreas Rother grundsätzlich offen und dialogbereit gegenüber Bürgern und Bürgerinitiativen gezeigt. Das heißt, dass er den Dialog suchen wird und Bürgerinitiativen in Entscheidungsprozesse einbeziehen möchte, statt sie zu übergehen. Und tatsächlich haben wir ein erstes Gespräch bereits auf den Weg gebracht. Mitte Mai werden wir aus dem OB-Büro Terminvorschläge dazu bekommen.“