Alles begann in der Spielzeit 2007/2008, als am Landestheater Niederbayern „Der Brandner Kaspar und das ewig Leben“ von Kurt Wilhelm und Franz von Kobell das erste Mal gezeigt wurde. Die Produktion lief über Jahre immer vor ausverkauftem Haus und Klemens Neuwirth als Brandner und Reinhard Peer als Boandlkramer spielten sich in die Herzen des niederbayerischen Publikums.
2017 kam dann der Oberspielleiter und bekannte Autor Wolfgang Maria Bauer auf die Idee, die Geschichte vom „Brandner“ weiterzuerzählen und brachte mit „Der Brandner Kaspar kehrt zurück“ eine Fortsetzung auf die Bühne, die auch bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel und in der Komödie im Bayerischen Hof sehr erfolgreich lief.
Zum Ende der Intendanz von Stefan Tilch bringt das Landestheater Niederbayern nun einen letzten Teil unter dem Titel „Der Brandner Kaspar und der Boandlkramerkongress“ heraus, mit dem Die „Brandner“-Trilogie nach fast zwanzig Jahren vollendet wird.
Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem bekannten Schauspieler, Autor und Regisseur Wolfgang Maria Bauer.
INNSIDE: Sie sind Oberspielleiter am Landestheater Niederbayern. Klingt wild. Was macht so ein Oberspielleiter?
Wolfgang M. Bauer: Die Frage kommt zu spät. Die neue Leitung des Theaters hat meinen Vertrag nicht verlängert. Vielleicht mache ich es jetzt wie Thomas Müller. Kanada.
Sie haben den berühmten Stoff vom Brandner Kasper weiterentwickelt und nun eine 3. „Folge“ vorgelegt. War Ihnen das Ende der eigentlichen Geschichte zu traurig oder macht es Ihnen einfach Spaß dem Tod immer wieder ein Schnippchen zu schlagen?
Nein, beim Schreiben über das Paradies ist man im Paradies. Dort ist vom Schreibtisch aus gesehen, das Futur 2. „Ich werde gewesen sein.“ Dieses einzigartige Talent unseres Gehirns nutzen wir viel zu wenig.
Worum geht es in dem von Ihnen entwickelten Stück „Der Brandner Kaspar und der Boandlkramerkongress“, was fasziniert Sie und wohl auch das bayerische Publikum an dieser immer wiederkehrenden Saga?
Ich erzähle die Urstory weiter. Brandner ist bekanntermaßen im Paradies gelandet. Wie geht’s da mit ihm und seiner Frau und dem Boandlkramer weiter? Ein riesiger Fundus von lustigen Geschichten, weil natürlich auch das Paradies sich verändert. Aber die modernen Zeiten machen dem Himmel natürlich Probleme, besonders dem bayerischen Personal dort. So kommt es zu einem Treffen der Tode, einem Kongress der Boandlkramer. Aber wie man sich denken kann, funktioniert das nicht allzu gut.
Sie spielen in diesem Stück selber den Brandner und führen Regie und sind der Autor. Wie funktioniert das, haben Sie da nicht ständig eine Auseinandersetzung mit sich selbst?
Nein, ich trenne das. Der Regisseur findet den Autor doof. Der Schauspieler und der der Regisseur haben kaum Kontakt. Und der Autor möchte lieber zuhause am Schreibtisch sitzen, er mag keine Schauspieler. Die drei werden sich maximal gemeinsam verbeugen.
Der Stoff bietet natürlich viel Raum für Anspielungen auf heutige Ereignisse und Zustände. Gibt es da welche?
Als Autor hatte ich daran eine große Freude. Das Sträuben gegen Veränderung fand ich schon immer lustig. Weil es so sinnfrei ist. Trotzdem mag ich die alten Knochen wie den Portner oder und den Boandl, eben weil sie aus der Zeit gefallen sind, aber extrem schlau. Wie sie mit dem Modernen umgehen, ist nicht reaktionär, sondern hoffentlich ein klein wenig weise.
Gibt es vielleicht schon Überlegungen die Trilogie zu verfilmen?
Der Boandlkramerblues? Der Semmelknödelbrandner? Ich muss ehrlich sein, ich bin kein Filme-Typ. Ich mags menschlich, original, ohne Post Production und auf der Bühne.
Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht beim Schreiben und Entwickeln?
Das Schreiben an sich ist bereits genug für mich, das Abtauchen in eine Fantasie ist herrlich. Ich setzte mich an den Schreibtisch und die Figuren warten bereits. Keiner meldet sich krank, Ich muss nur heimlich zuschauen.
Zum Schluss möchten wir auch Ihnen die INNSIDE Flussfrage stellen: Gibt es einen Fluss, mit dem Sie sich besonders identifizieren können?
Tom Jones singt: „..that was the river, but this is the sea.“ Ich glaube, er meint diesen Moment, wenn einen der Boandlkramer abgeholt hat und man dann ins Paradies schaut
Wir danken für das Gespräch.
Die Fragen stellte Gerd Jakobi,
© Landestheater Niederbayern, Peter Litvai
Samstag, 03. Januar 2026, Stadttheater Passau
Weitere Vorstellungen:
04. Januar 2026, 22. März 2026
27. März 2026, 28. März 2026
12. April 2026, 06. Juni 2026,
07. Juni 2026