Eine Lektüre der ganz besonderen Art werden die Passauer Stadträte zu den Pfingstfeiertagen in ihren Briefkästen vorfinden – Post von den Angerern! Auf zehn Seiten können Sie nachlesen, was die Anwohnerinitiative in den letzten 13 Jahren in die öffentliche Diskussion an Ideen, Konzepten und Wünsche eingebracht hat.
„Denn wenn von uns Angerern im Rathaus die Rede ist, dann gehen manchmal nicht nur die Meinungen auseinander, der Blick auf unser Wollen ist dann schon mal etwas unscharf. Beispiel: Immer wieder heißt es, wir würden ein generelles Lkw-Durchfahrtsverbot am Anger fordern – nein, wir wollen nur den Transit-Schwerlastverkehr zum Autobahnzubringer Hutthurm-Aicha v. W. verlagern. Der Quell- und Zielverkehr von und nach Passau wäre davon nicht betroffen,“ sagt Angerer-Sprecher Max Moosbauer.
Und: „Wir thematisieren darin natürlich auch die tägliche Lebenswirklichkeit der Anger-Bewohner ebenso wie unsere Vorschläge. Wer weiß denn heute noch, dass der Anger bis Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein sehr dichtbesiedelter und lebendiger Ortsteil mit sieben Wirtshäusern, zwei Lebensmittelgeschäften, einer Metzgerei, einer Bäckerei und einer Kohlenhandlung war?“ Bis 1968 die Abrissbirnen kamen und die donauseitige Hälfte davon zertrümmerten. Für den fließenden Verkehr, hieß es damals wie heute.“
Fakt ist nun: Die vierspurige Bundesstraße am Anger zählt zu den meistbefahrenen und belasteten Straßen in Bayern. Das bedeutet für den Anger, aber auch für die gegenüberliegende Altstadt und Neumarkt – Tag und Nacht immer wieder unerträglicher Verkehrslärm am Anger mit Spitzenwerten, die häufig die zulässigen Grenzen überschreiten. Und – die Angerstraße teilt sich mit der Landshuter Allee in München den zweiten Platz der am meisten feinstaubbelasteten Straßen in Bayern.
„Das ist leider noch nicht alles,“ beklagt der Angerer-Sprecher „Denn der Anger ist einer der fünf Unfallhäufungspunkte in Passau. Wöchentlich werden dort immer wieder bis zu drei Unfälle gezählt, die meist Schwerlastwagen durch Spurwechsel als Verursacher haben. Die Folge: riesige Staus in der gesamten Stadt.“
Das Ziel für die Stadt ist klar: Den drohenden Verkehrsinfarkt stoppen, die Lebensqualität der Bürger in den Vordergrund stellen und eine ökologische Mobilität in der Stadt fördern. Dabei könnte ein Stufenplan an den Start gebracht werden, der den verhängnisvollen derzeitigen Stillstand beendet:
Als Sofortmaßnahmen fordern die Angerer:
Doch die Angerer haben auch für die Verkehrsprobleme der Stadt und der Region sehr unterschiedliche Ideen und Konzepte entwickelt:
Die von uns favorisierten Umsteigezentren könnten als attraktive Alternativen an den Haupteinfallsstraßen in die Innenstadt eine deutliche Entlastung des Einpendelverkehrs bedeuten. Die gut 29.000 Pendler sollten dort die Möglichkeit haben, ihre Fahrzeuge kostenlos zu parken und komfortabel mit E-Express-Bussen in die Stadt kommen. Ein breites Angebot von Miet-Fahrrädern und E-Bikes sollte das vervollständigen.
Mit so genannten „E-Mobil-Inseln“ sollen über die Innenstadt und angrenzenden Stadtteilen Carsharing-„E-Cabinos“ verteilt werden. Das sind zweisitzige Leichtfahrzeuge, die tatsächlich im Versandhandel zwischen fünf und zehntausend Euro angeboten werden. Mit dabei in diesen überdachten „E-Mobil-Inseln“: E-Lastenfahrräder, E-Bikes, Scooter und Pedelecs
Das erfordert gegebenenfalls Rückführung mehrspuriger Fahrbahnen (Beispiel: B12 am Anger) auf drei Fahrbahnen, wobei eine Spur ausschließlich dem Busverkehr, den Polizei- und Rettungskräften sowie dem E-Mobil-Verkehr vorbehalten ist.
Die Idee, so simpel wie einleuchtend: den Verkehr einfach eine Etage tiefer legen – aus der Ilzstadt bis weit hinaus zum Lüftlberg in Hacklberg. Vom Verkehr ist nichts mehr zu sehen, stattdessen Kinderspielplätze, Sportplätze, Strandcafe, Biergarten; Elektrofahrzeuge von der Car-Sharing-Station nebenan, die geräuschlos auf der einspurigen Fahrbahn rollen.
Und das Allerwichtigste, an der Hangseite fast fünfzig neue Wohnhäuser für junge Familien mit Kindern und seniorengerechte Wohnungen. Mehrgeschossig und manche terrassenartig, die sich harmonisch in das Ensemble der denkmalgeschützten, alten Häusern einfügen.
gez. Max Moosbauer – für „Die Angerer“