Kent Nagano dirigiert das Deutsche Symphonieorchester Berlin bei den EW. | (c) Toni Scholz
Mit einem vielfältigen Programm zwischen großer Sinfonik, Kammermusik, Jazz, Crossover, Literatur, gesellschaftlichem Diskurs und innovativen Vermittlungsformaten sind die 74. Festspiele Europäische Wochen Passau erfolgreich zu Ende gegangen. Rund 12.500 verkaufte Eintrittskarten sowie insgesamt etwa 17.000 Besucherinnen und Besucher bei rund 60 Veranstaltungen an knapp 30 Spielorten in Bayern, Oberösterreich und Tschechien unterstreichen die große Resonanz auf das Angebot der Festspiele Europäische Wochen Passau.
Musikalische Vielfalt auf höchstem Niveau
Der 74. Festivaljahrgang vereinte internationale Spitzenorchester und Solisten mit jungen Talenten sowie außergewöhnlichen Konzertformaten. Mit Künstlerpersönlichkeiten wie Kent Nagano und Giovanni Antonini standen zwei der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit auf den Bühnen der Europäischen Wochen. Zugleich spannte das Festival den Bogen von großer Sinfonik und historischer Aufführungspraxis über Kammermusik, Jazz und Volksmusik bis hin zu literarischen Formaten und Crossover-Projekten. Diese stilistische Offenheit und programmatische Vielfalt gehören seit Jahrzehnten zu den Markenzeichen der Europäischen Wochen.
Besondere Akzente setzten zudem das Konzert des EW-Jugendsinfonieorchesters mit dem Cellisten Andrei Ioniță, die European Orchestra Academy, die Auftragsproduktion „Dancing Strings – The ABBA Classics“, die historische Rekonstruktion venezianischer Ospedale-Musik mit Il Giardino Armonico sowie der atmosphärische Passauer Sommernachtszauber als musikalischer Abschluss der Festspiele.
Europa als Leitmotiv
Die europäische Idee prägte den Festspielsommer weit über das Konzertprogramm hinaus. Der Passauer Tetralog diskutierte unter dem Titel „Weltunordnung – Europa inmitten?“ die Rolle Europas in einer Zeit globaler Umbrüche. Der literarisch-musikalische Abend „Belarus: Hoffen auf Europa“ rückte Stimmen aus dem Exil in den Mittelpunkt und machte eindrucksvoll deutlich, welche Bedeutung Kunst und kultureller Austausch für ein freies Europa besitzen.
Wie ein roter Faden zog sich auch das digitale Projekt „Zusammenfinden“ durch den gesamten Festspielsommer. In den Konzerträumen luden QR-Codes das Publikum dazu ein, kurze Videobeiträge prominenter Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft zu entdecken. Unter der Leitfrage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen kann, entstanden sieben unterschiedliche Perspektiven auf eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit.
Nachwuchs und Vermittlung als Markenzeichen
Die Förderung junger Menschen blieb auch im 74. Festivaljahrgang ein zentrales Anliegen der Europäischen Wochen. Mit Projekten wie der European Orchestra Academy, dem EW-Jugendsinfonieorchester, „Jugend musiziert“ oder dem EW-Uni-Fest bot das Festival jungen Musikerinnen und Musikern vielfältige Möglichkeiten, sich künstlerisch weiterzuentwickeln und gemeinsam mit renommierten Künstlerinnen und Künstlern Bühnenerfahrung zu sammeln. Gleichzeitig eröffneten partizipative Formate neue Zugänge zur Kultur: In Workshops mit Double Drums sowie bei der „Magical Mystery Tour“, bei der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit der Schauspielerin und Synchronsprecherin Gabrielle Pietermann eigene fiktionale Texte schrieben, standen Kreativität, Mitgestaltung und die Freude am eigenen Ausdruck im Mittelpunkt.
Dank an Förderer, Partner und Publikum
„Die Europäischen Wochen leben von den Menschen, die sie mittragen – unserem Publikum, den Künstlerinnen und Künstlern, unseren Förderern, Partnern und den Ehrenamtlichen. Ihnen allen gilt unserherzlicher Dank. Es erfüllt mich mit großer Freude zu sehen, wie selbstverständlich die Europäischen Wochen Menschen über Ländergrenzen hinweg zusammenbringen und den europäischen Gedanken lebendig werden lassen“, sagt Rosemarie Weber, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins der Europäischen Wochen Passau.
Ausblick: Jubiläumsjahr 2027
Mit dem Ende der Sommerfestspiele richtet sich der Blick auf das Jubiläumsjahr 2027, in dem die Europäischen Wochen ihr 75-jähriges Bestehen feiern. Einen ersten Vorgeschmack bietet das Sonderkonzert am 26. September im Passauer Dom St. Stephan, wenn Sir Simon Rattle gemeinsam mit dem Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Beethovens Neunte Sinfonie dirigiert.