OB Rother | (c) Stadt Passau
Angesichts der immer noch angespannten Lage der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie hat die Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ ihren Forderungskatalog umfassend weiterentwickelt. Unter dem Leitgedanken „Starke Automobil- und Mobilitätsindustrie. Starke Städte. Starkes Deutschland und Europa.“ formulieren die beteiligten Städte zentrale Handlungsfelder für eine wettbewerbsfähige und innovative Mobilitätsindustrie.
Im Mittelpunkt des Positionspapiers steht die Forderung nach deutlich schnelleren politischen Entscheidungen. Um die Situation der Automobilstandorte und die notwendigen politischen Schritte auf nationaler und europäischer Ebene zu erörtern, wenden sich die vier Köpfe der Initiative – die Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper aus Stuttgart, Dennis Weilmann aus Wolfsburg, Simon Blümcke aus Friedrichshafen und Uwe Conradt aus Saarbrücken – an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und bieten ein persönliches Gespräch an.
Von der Bundesregierung erwarten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister eine starke industriepolitische Initiative auf nationaler Ebene und mehr Nachdruck in den laufenden Beratungen in Brüssel. Deutschland als größter Automobilstandort Europas müsse seine Interessen entschlossen vertreten. Wesentliche Fragen des europäischen Automotive Package dürfen nach Auffassung der Initiative nicht erst im ersten Quartal 2027 entschieden werden.
„Die Standortentscheidungen fallen jetzt – nicht 2027. Unternehmen entscheiden heute, wo sie investieren, wo neue Produkte entwickelt werden und wo künftig Arbeitsplätze entstehen. Jeder weitere Monat ohne verlässliche Rahmenbedingungen erhöht das Risiko, dass Investitionen verzögert oder außerhalb Deutschlands und Europas realisiert werden. Deutschland und Europa brauchen deshalb jetzt eine klare industriepolitische Antwort: mehr Wettbewerbsfähigkeit, echte Technologieoffenheit, schnellere Entscheidungen und deutlich bessere Bedingungen für Investitionen“, erklären die Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, Dennis Weilmann, Simon Blümcke und Uwe Conradt.
Oberbürgermeister Andreas Rother ergänzt dies folgendermaßen: „Die Automobil- und Zulieferindustrie ist für unsere Region weit mehr als nur ein wichtiger
Wirtschaftszweig. Sie sichert zehntausende Arbeitsplätze, schafft Wertschöpfung und ist eng mit unserem Mittelstand, dem Handwerk, der Logistik und vielen weiteren Unternehmen verbunden. Wenn hier Investitionen zurückgehen oder Arbeitsplätze verloren gehen, hat das deshalb auch unmittelbare Folgen für unsere Kommunen und die gesamte regionale Wirtschaft. Wir müssen alles daransetzen, dass unsere Unternehmen auch künftig hier investieren, produzieren und Arbeitsplätze sichern können. Dafür braucht es vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Energie- und Standortkosten und eine Politik, die Innovation ermöglicht, statt zusätzliche Hürden aufzubauen. Gleichzeitig müssen wir die technologischen Chancen der Transformation nutzen – von neuen Antrieben über Software und Künstliche Intelligenz bis hin zum autonomen Fahren.
Entscheidend ist, dass Forschung, Ausbildung und Fachkräftesicherung dabei mitgedacht werden. Unsere Region verfügt über enormes Know-how und gut ausgebildete Menschen. Der Zusammenschluss der Bürgermeister von Automobilzuliefererstädten ist deshalb wichtig, damit deutlich wird, dass wir alle in einem Boot sitzen aber auch gemeinsam an dem gleichen Strang ziehen.“
Mit dem neuen Papier erweitert die Initiative ihren Blick über die klassische Pkw-Industrie hinaus. Hersteller, Zulieferunternehmen, Nutzfahrzeughersteller, Batterie- und Halbleiterunternehmen sowie Software- und Technologieunternehmen sollen gemeinsam betrachtet werden. Unverhältnismäßige Belastungen dürften nicht dazu führen, dass Investitionen außerhalb Deutschlands und Europas stattfinden.
Die Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ wurde von den Oberbürgermeistern von Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken ins Leben gerufen. Inzwischen haben sich zahlreiche weitere Städte aus dem Bundesgebiet mit bedeutenden Standorten der Automobil-, Zuliefer- und Mobilitätsindustrie angeschlossen.
Die Initiative versteht sich als kommunale Stimme der Automobil- und Mobilitätsstandorte. Sie bringt die Perspektive der Städte ein, in denen industrielle Transformation unmittelbar stattfindet. Dort befinden sich Produktionswerke, Zulieferbetriebe, Forschungs- und Entwicklungsstandorte. Dort leben die Beschäftigten und ihre Familien, und dort werden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen industriepolitischer Entscheidungen unmittelbar spürbar.
Ziel der Initiative ist es, die Transformation der Mobilitätsindustrie erfolgreich zu gestalten und industrielle Wertschöpfung, Innovation, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland und Europa zu sichern.