Gruß vom Dreisesselberg
Eine Zufallsentdeckung wird zur historischen Sensation: Als Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, eine umfangreiche Ansichtskartensammlung zum Bayerischen Wald sichtete, ahnte er nicht, dass er damit ein verschollen geglaubtes Archiv des Heimatschriftstellers Max Peinkofer freilegen würde – und in den Unterlagen seines verstorbenen Vaters in Hengersberg ein passendes Gegenstück finden sollte. Was als glückliche Fügung begann, wurde zur zwei Jahre langen Spurensuche, die nun in der neuen Sonderausstellung „Geschichten aus dem Bayerwald II“ im Foyer des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg mündet.
Loibl, selbst im Bayerischen Wald verwurzelt, zeichnete anhand der Karten ein ungewohnt vielschichtiges Bild des „Woids“: verspottet als Bayerisch Sibirien, verklärt als Bayerns Wilder Osten, jahrhundertelang von politischer Vernachlässigung geprägt – und doch um 1900 eine Boomregion. Der Wald erscheint in der Ausstellung als eigenständiger Kulturraum, eng vernetzt mit Donauregion und Südböhmen, durch die Säkularisation verwundet, aber getragen von enormem Eigenantrieb.
Für ein besonderes Ausstellungserlebnis sorgt Szenograf Fritz Pürstinger: Er hat das Foyer in eine dichte Waldlandschaft verwandelt – mit dreidimensionalen Spitzenobjekten, die die Fotoausstellung „Menschen im Bayerischen Wald 1900-1950“ erweitern. Zu den Höhepunkten zählt der legendäre Saccharin-Heilige, mit dem früher „gschwirzt“ wurde, sowie der kostbare Weihnachtsaltar aus Niederaltaich, der nach der Säkularisation auf verschlungenen Wegen zurück in sein Kloster fand: ein Jahrhundert-Stoff, wie ihn nur der Bayerische Wald schreibt.
Auch der historische Aufschwung der Region wird erzählt: Erst als 1877 die Waldbahn – gegen Widerstände und königliche Kanalpläne – den Bayerwald erschloss, entwickelte sich der ländliche Raum rasant. Glas aus dem Wald fand seinen Weg in die Welt, Granit in die Metropolen, Holz in die Fabriken. Pensionen schossen wie Schwammerl aus dem Boden, der Tourismus begann zu florieren.
Die Sonderausstellung ist bis 14. Juni 2026 zu sehen. Zur Ausstellung erscheint das Begleitbuch „Grüße aus dem wilden Osten“ im Verlag Friedrich Pustet – eine erste Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes anhand von Ansichtskarten, opulent bebildert und reich an Anekdoten. Ein Werk, das wie die Ausstellung selbst beweist: Der Bayerische Wald ist viel mehr als Klischee – er ist ein Kulturerbe voller Geschichten, die es zu entdecken gilt.